Die Praxissieger 2024: Oskar Meißner, Sarah Erdmann & Paul Kaufmann.
Carbon Capture and Storage - kurz CCS. So heißt eine vielversprechende Zukunftstechnologie zum "Einfangen" und Speichern von atmosphärischem Kohlenstoffdioxid. Doch wird es in Deutschland zukünftig überhaupt noch junge Chemikerinnen und Chemiker geben, die solche neuartigen Technologien zur Anwendung bringen können?
Wer am 05. Juni im Schülerlabor "Chemie zum Anfassen" an der Hochschule Merseburg zu Gast war, kommt zu einer überraschenden Antwort: vermutlich schon! Denn dort tummelten sich 3 Dutzend Nachwuchschemikerinnen und Nachwuchschemiker, die eifrig verschiedene laborpraktische Prüfungen absolvierten. Anlass war die Regionalrunde des Chemiewettbewerbs "Chemie - die stimmt!", der die Landesbesten Sachsens, Sachsen-Anhalts und Thüringens zu einem Wettstreit einlud.
Jeweils in "länderübergreifenden" Dreierteams wurde mit allerhand Glasgeräten und Chemikalien analysiert und synthetisiert. "Im Praktikum sollte man Untersuchungen von Stoffen selbst Planen, Experimentieren und Auswerten, so dass man sein ganzes gesammeltes Wissen unter Beweis stellen konnte.", sagt der Zehntklässler Oskar Meißner. Sein Team konnte im Praxisteil den ersten Platz ergattern. Johannes Petzold, vom zweitplatzieren Praxisteam, lobt die gute Ausstattung des Labors "Chemie zum Anfassen": "Die Praxisklausur sollte nicht nur einen Gewinner ermitteln, sondern auch auf das Chemiestudium vorbereiten. Besonders die Titration [Anm. der Red.: ein sehr genaues Verfahren zur Bestimmung von Konzentrationen] wird einen als Laborchemiker das ganze Leben begleiten. Außerdem war es eine Chance als Schüler, Experimente mit guter Ausstattung durchzuführen, wie sie leider nur von wenigen Schulen in Deutschland angeboten werden können."
Doch damit nicht genug: die Chemie-Asse sollten am Donnerstag auch in einer theoretischen Klausur ihre Kenntnisse unter Beweis stellen. Unter anderem galt es, ein 140 Jahre altes Verfahren aus der Papierindustrie zu analysieren und chemisch zu beschreiben, das sich für Carbon Capture and Storage eignet.
Ausruhen konnten sich die rauchenden Köpfe u.a. beim Bowling und bei einem Volleyball-Turnier. Denn obgleich das Küren von Regionalsiegern im Vordergrund steht, so bietet der Wettbewerb "Chemie - die stimmt!" den Teilnehmenden vor Allem, sich zu vernetzen. Überraschend hoch ist dann auch die Quote derer, die in Mitteldeutschland bleiben und studieren wollen. So z.B. Tim Möckel, Mitteldeutschlands Zweitbester, der in Leipzig studieren möchte.
Mit großer Vorfreude wurde die Siegerehrung am Freitag erwartet. Nach einem eindrucksvollen Experimentalvortrag wurden die Praxis- und die Theoriesieger der Klassenstufen 9 und 10 gekürt.
In der Praxis hatte das Team um Oskar Meißner die Nase vorn. Sie konnten die gegebenen Stoffgemische experimentell am besten bestimmen. Mit im Team des Leipzigers vom Wilhelm-Ostwald-Gymnasium waren Sarah Erdmann von der Goetheschule Ilmenau und der Hallenser Paul Kaufmann vom Georg-Cantor-Gymnasium. Das Spitzenteam wurde von Schulen entsandt, die zu den besten MINT-Schulen Mitteldeutschlands zählen!
In der Theorie konnte sich in Klassenstufe 10 Oskar Meißner durchsetzen. Kein anderer löste Aufgaben wie die "Höllenaufgabe" (eine Aufgabe zum "höllischen Element Schwefel") oder eine Aufgabe zu einem Inhaltstoff von Schokolade, dem Theobromin, so souverän wie er.
Zweitplatzierter wurde der Außenseiter Tim Möckel, der sich dank eines sehr engagierten Chemielehrers gegenüber den meisten sogenannten "Spezialschülern" durchsetzen konnte. Der Zehntklässler vom Clemens-Winkler-Gymnasium Aue qualifizierte sich damit bereits zum zweiten Mal für das großes Bundesfinale, das im September in Leipzig ausgetragen wird.
In Klassenstufe 9 hatte Levi Körösi, ebensfalls vom Wilhelm-Ostwald-Gymnasium Leipzig, die Nase vorn. Isabell Klimt (Wilhelm-Ostwald-Gymnasium) und Charvi Patil (Martin-Andersen-Nexö-Gymnasium) vervollständigten das Terzett, das sich über die Platzierungen für das Bundesfinale qualifiziert hat. Die drei lösten die Aufgaben zum 140 Jahre alten CCS-Verfahren besonders gut und konnten sich so von der Konkurrenz absetzen. Am Ende stand die überraschende Erkenntnis, dass Technologien zur Rettung der Zukunft sehr wohl auch in den Zeiten aufstrebender Industrialisierung in der Vergangenheit gefunden werden können.
Beim Bundesfinale an der Uni Leipzig im Herbst werden die Chemie-Asse dann wieder in einer theoretischen Klausur gegeneinander antreten; und natürlich auch in einer praktischen Klausur - dann ist aber jeder auf sich allein gestellt!
Text: Jan Bandemer
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